Im Gespräch mit der „WAZ“ sagt sie: „Es ist fraglos notwendig, das gesetzliche Rentenalter weiter anzuheben – man sollte die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt an die Lebenserwartung koppeln.“
Und sie stellt eine Formel vor, die das Rentenalter dann automatisch bis zur Rente mit 70 anheben würde: „Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird bis 2031 auf 67 Jahre erhöht. Dabei kann es aber nicht bleiben. Die Formel in Zukunft könnte sein: Nimmt die Lebenserwartung um ein Jahr zu, so würden zwei Drittel des zusätzlichen Jahres der Erwerbsarbeit zugeschlagen und ein Drittel dem Ruhestand.“ Sie betonte jedoch, dass es Ausnahmen für gesundheitliche Beeinträchtigungen geben müsse.
Grimm: „Deutschland hat mehr zu kämpfen als andere Industrieländer“
Bezüglich der wirtschaftlichen Lage Deutschlands äußerte sich Grimm besorgt: „Uns macht zu schaffen, dass wir besonders stark von russischen Energielieferungen abhängig waren und auch viele energieintensive Unternehmen haben, für die die hohen Strompreise eine Herausforderung bleiben werden“, sagte sie der „WAZ“. Gleichzeitig stecke Deutschland mitten in der Transformation zur Klimaneutralität. Sie betonte: „Deutschland hat daher mehr zu kämpfen als andere Industrieländer und die Erholung dauert etwas länger.“
Die Ökonomin forderte, die Bürokratie abzubauen und die Digitalisierung voranzutreiben. „Es kommt jetzt darauf an, dass wir die Zeichen der Zeit sehen und die strukturellen Probleme wirklich angehen – statt immer neue Subventionen zu beschließen“, so Grimm. Auch der Fachkräftemangel müsse wirksam bekämpft werden.
Wirtschaftsweisin kritisiert Heizungsgesetz: „War von Anfang an nicht begeistert“
Dabei sei die Zuwanderung von Fachkräften wichtig, doch müssten auch die Rahmenbedingungen für Erwerbsbeteiligung in Deutschland verbessert werden. „Unsere Ausländerämter haben nicht den Auftrag, eine Willkommenskultur zu versprühen, sondern zu überprüfen, ob jemand berechtigterweise hier ist“, betonte sie. Sie fügte hinzu: „Es geht aber auch darum, die Rahmenbedingungen in Deutschland zu verändern, damit die Erwerbsbeteiligung steigt: bei den Frauen wie auch bei den Älteren.“
Beim Thema Heizungsgesetz zeigte sich Grimm kritisch. „Von dem ordnungsrechtlichen Ansatz war ich von Anfang an nicht begeistert, und jetzt ist es völlig verwässert“, äußerte sie. Sie mahnte zur Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern bezüglich der Kosten des Klimaschutzes. „Das wäre Wunschdenken“, kommentierte sie die Idee, das Heizungsgesetz abzulehnen. „Wichtig ist mir, dass die Politik den Leuten reinen Wein einschenkt und deutlich macht: Der Umbau der Wirtschaft zur Klimaneutralität kostet etwas – auch den einzelnen Bürger“, betonte sie.
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