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Ohne Beratung, ohne Plan: Die 6 größten Fehler beim Vererben: So behalten Sie die Kontrolle über Ihr Vermögen

Jahr für Jahr wird in Deutschland mehr Geld vererbt. Doch wer seinen Nachlass nicht regelt, setzt nicht nur den Haussegen aufs Spiel. FOCUS Online erklärt, wie Sie Ihr Vermögen und Ihre Nachkommen am besten schützen.

Rund 400 Milliarden Euro werden pro Jahr in Deutschland vererbt. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW). Das sei vor allem der stabilen Wirtschaft zu verdanken. „Die Nachkriegsgenerationen konnten in Deutschland über Jahrzehnte hinweg von realen Einkommenssteigerungen und dem Ausbleiben von lang anhaltenden Wirtschaftskrisen profitieren und somit große Vermögen aufbauen“, so die Experten.

Doch durch Fehler beim Vererben entgehen Nachkommen jedes Jahr Milliarden. Ohne eine klare Regelung des Nachlasses ist Streit zudem vorprogrammiert. Mit einigen Tipps lassen sich Fehler beim Vererben vermeiden.

1. Kein Testament machen

Das Thema Erbschaft ist für viele Deutsche noch immer ein Tabuthema. Allerdings hat das zur Folge, dass nur selten ein Testament gemacht wird. 2015 haben gerade einmal 36 Prozent der Erblasser ihren letzten Willen verfasst. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Deutschen Bank.

„Viele denken, sie bräuchten kein Testament, weil die gesetzliche Erbfolge ohnehin alles richten würde. In vielen Fällen ist dies falsch“, erklärt Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht. Hierzu nennt er ein Beispiel: „Kinderlose Ehegatten errichten kein Testament, weil sie meinen, dass der andere automatisch alles erbt. Als der Ehemann verstirbt, hinterlässt er neben seiner Ehefrau noch einen Bruder, mit dem sich seine Ehefrau nicht versteht. Nach der gesetzlichen Erbfolge erbt der Bruder ein Viertel des Hauses, in dem die Ehegatten wohnten und welches dem Verstorbenen allein gehörte. Das Kapitalvermögen des Nachlasses reicht nicht, um den Bruder auszuzahlen, weshalb das Haus verkauft werden muss. Die Frau muss aus ihrem Heim ausziehen.“ Mit einem Testament hätte der Erblasser, laut Steiner,  seinen Bruder vom Pflichtteil ausschließen können.

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2. Das Testament am Computer erstellen

Oft denken potenzielle Erblasser, ein am Computer verfasstes Testament sei durch die eigene Unterschrift gültig. Damit unterliegen sie einem folgenschweren Irrtum. Ein maschinell erstelltes Testament ist rechtlich ungültig, ganz gleich ob mit oder ohne Unterschrift. Laut Paragraph 2247 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) muss das handschriftliche Testament „eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung“ sein. Aus diesem Grund müssen Vererbende entweder ein handschriftliches oder ein notarielles beziehungsweise öffentliches Testament aufsetzen. Liegt kein gültiges Testament vor, greift die gesetzliche Erbfolge.

Wer sich unsicher ist, kann sein Testament auch beim Notar verfassen lassen. Paragraph 2232 des BGB schreibt die Formvorschriften für dieses „notarielle Testament“ vor: „Zur Niederschrift eines Notars wird ein Testament errichtet, indem der Erblasser dem Notar seinen letzten Willen erklärt oder ihm eine Schrift mit der Erklärung übergibt, dass die Schrift seinen letzten Willen enthalte“. Steiner hält diese Form für die beste: „Der Vorteil des notariellen Testaments liegt darin, dass der Erbe dann beim Erbfall in der Regel keinen zusätzlichen Erbschein benötigt, um sich als Erbe beispielsweise gegenüber dem Grundbuchamt zu legitimieren.“ Das ist vor allem dann vorteilhaft, wenn eine Immobilie oder ein Grundstück vererbt wird. Da der Erblasser nicht mehr Eigentümer ist, muss der Grundbucheintrag berichtigt werden. Eigentümer ist derjenige, der das Erbe antritt.

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3. Auf professionelle Beratung verzichten

Wer auf die Expertise von Fachberatern verzichtet, geht große Risiken ein, die im schlimmsten Fall von den Erben behoben werden müssen. „Das tückische beim Erbrecht ist, dass viele Fallstricke für den Laien schlichtweg nicht erkennbar sind“, sagt Steiner. Dabei verweist der Experte auf des Berliner Testament: „Bei diesem Testament setzen sich Ehegatten gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen zugleich für den Tod des Zweiten von ihnen, wer dann Erbe wird – meist die gemeinschaftlichen Kinder.“ Das könne jedoch zu Problemen führen. „Praktisch nie denken Laien daran, zu regeln, ob der überlebende Ehegatte im Nachhinein noch berechtigt ist, die Erbeinsetzung für seinen eigenen Erbfall zu ändern. Häufig führt dies dann zu gerichtlichem Streit, weil es im Testament an einer Regelung fehlt“, so der Rechtsanwalt. Deshalb empfiehlt er stets eine fachmännische Beratung.

Claudia Auinger, Fachanwältin für Steuerrecht bei der Kanzlei PKF Sozietät Dr. Fischer, hält professionelle Beratung in einigen Fällen für besonders sinnvoll: „Gibt es mehrere Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen, führt die gesetzliche Erbfolge häufig zu unbefriedigenden Ergebnissen in rechtlicher und steuerlicher Hinsicht. Künftige Erblasser mit größerem Vermögen und / oder mehreren Angehörigen sollten sich daher sowohl von einem Rechtsanwalt als auch von einem Steuerberater beraten lassen.“

4. Das Finanzamt täuschen

Je nach Beziehungsgrad gelten für Schenkungen und Erbschaften Steuerfreibeträge von bis zu 500.000 Euro. Schenker können diese Grenzen alle zehn Jahre neu ausschöpfen. Bei Geschwistern, Nichten und Neffen liegt der Freibetrag allerdings bei gerade einmal 20.000 Euro. Größere Summen lassen sich somit nicht ohne Weiteres steuerfrei übertragen.

Geld- oder Sachwerte, die über den gesetzlichen Steuerfreibetrag hinausgehen, unterliegen der Anzeigepflicht. Laut Paragraph 30 des Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG) müssen Erben einen steuerpflichtigen Erwerb dem zuständigen Finanzamt innerhalb einer Frist von drei Monaten melden. Bei steuerpflichtigem Erwerb “durch ein Rechtsgeschäft unter Lebenden, ist zur Anzeige auch derjenige verpflichtet, aus dessen Vermögen der Erwerb stammt”, so der Gesetzgeber. Wer dem Finanzamt erbschaftssteuerpflichtige Schenkungen hingegen verschweigt oder falsche Angaben macht, begeht ein Steuerdelikt. „Das Unterlassen der Anzeige oder die bewusst fehlerhafte Anzeige kann unter den Voraussetzungen der Paragraphen 370 und 378 der Abgabenordnung strafrechtliche Konsequenzen haben”, erklärt Auinger.

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5. Schulden verheimlichen

Eine Erbschaft muss nicht immer vorteilhaft für die Erben sein. Während manche ein großes Vermögen erben, stehen andere vor einem riesigen Schuldenberg. Ist Letzteres der Fall, wird das Erbe in der Regel ausgeschlagen. Dann gehen die Verbindlichkeiten an den nächsten in der Erbfolge, und das solange bis entweder einer das Erbe antritt oder der Staat einspringen muss.

„Befürchtet ein Erbe, dass der Nachlass überschuldet ist, kann er die Erbschaft insgesamt durch eine Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht innerhalb einer Frist von sechs Wochen ab Kenntnis von dem Todesfall und den Umständen seiner Erbenstellung ausschlagen“, erklärt Auinger. Weiter empfiehlt sie: „Der Erbe sollte sich nach dem Erbfall möglichst schnell einen Überblick über die Vermögenssituation verschaffen und im Zweifel innerhalb der 6-Wochen-Frist anwaltlichen Rat einholen.“ Denn der Gesetzgeber sieht vor, dass die Erbschaft als angenommen gilt, sobald die Frist verstrichen ist. Wer seinen Erben Schulden hinterlässt, weiht sie am besten rechtzeitig ein und erspart ihnen so unnötige Arbeit.

6. Keine Vorsorgemappe machen

Vor allem Eltern unterschätzen die Bedeutung einer Vorsorgemappe. Allerdings können sie damit eine Vertrauensperson beauftragen, Rechtliches für sie zu klären, sollten sie selbst nicht mehr geschäftsfähig sein. In der Regel sind das die eigenen Kinder. Die Mappe beinhaltet idealerweise eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und eine Betreuungsverfügung. Die entsprechenden Formulare bietet beispielsweise das Bundesjustizministerium an. Wer eine individuelle Erklärung erstellen will, kann hier zudem aus verschiedenen Textbausteinen wählen. Außerdem ist es sinnvoll, eine Bankvollmacht von der entsprechenden Bank anzufordern, sodass die Kinder Vertrauensperson im Notfall Zugriff auf das Vermögen der Eltern haben. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man sämtliche Dokumente von einem Notar beglaubigen lassen.

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