Während der Baubranche zumindest bewusst ist, dass sie in den vergangenen Jahren auf Rosen gebettet war und die Hamburger Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) gebetsmühlenartig wiederholt, „dass die Mieten im Wohnungsbestand in Hamburg grundsätzlich moderat sind“, sprechen Mietervereine und -initiativen vom „Mietenwahnsinn“ der vergangenen Jahre.
Nichts scheint die Bauflaute in Hamburg stoppen zu können
Pein bezieht sich auf eine Studie, die die Wohnungswirtschaft in Auftrag gegeben hat . Das wirtschaftsnahe Center for Real Estate Studies (Cres) wertete dafür immerhin 237.000 Mietverträge aus und kam zu dem Schluss, dass die Nettokaltmiete in Hamburg im vergangenen Jahr bei durchschnittlich moderaten 8,71 Euro pro Quadratmeter lag.
Die Miete werde in Zukunft noch stärker anziehen, wenn weniger gebaut werde und das Wohnungsangebot im Vergleich zu den Zuzügen in die Hansestadt wieder sinke, so der Mieterverein.
Derzeit scheint nichts die Bauflaute stoppen zu können. Während Bundesbauministerin Geywitz versuchen will, die Bauvorschriften so zu entrümpeln, dass Bauen leichter und billiger wird, versucht Hamburg mit umfangreichen Förderprogrammen die Bauwirtschaft zu stützen und den einbrechenden Neubau vor allem von Sozialwohnungen wieder in Gang zu bringen. Zudem will Hamburg das Schwert der Mietpreisbremse etwas nachschärfen und lockt mit billigen Krediten die Wohnungswirtschaft, wieder zu investieren.
„Die Bilanz ist positiv, aber die Aussicht ist ein bisschen düster“
Nun aber, wo die wichtigste Säule wegbricht, muss Hamburg sich und die eigene Wohnungspolitik neu erfinden. Akribisch versucht Stadtentwicklungssenatorin Pein – seit einem halben Jahr im Amt – an vielen Stellschrauben gleichzeitig zu drehen, um die lahmende Bauwirtschaft und die auch durch hohe Nebenkostensteigerungen gebeutelten Mieterinnen und Mieter gleichzeitig zu unterstützen.
Doch all das reicht derzeit nicht aus, um den Abwärtstrend aufzuhalten. Am Ende des großen Palavers stand das Bündnis der Wohnungswirtschaft am Montag mit (fast) leeren Händen da, übte sich in Durchhalteparolen und gegenseitigem Schulterklopfen. „Die Bilanz ist positiv, aber die Aussicht ist ein bisschen düster“, bringt der Chef des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner, die Lageanalyse des Bündnisses auf den Punkt. Und schwört damit uns alle schon mal auf noch stärker steigende Mieten ein.
Die Vertreter der Wohnungswirtschaft reisten mit einer langen Wunschliste zu dem Bündnis-Treffen in Hammburg an. Was sie forderten und was die SPD-Führung in Hamburg zuletzt bereits getan hat, lesen Sie bei mopo.de.
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